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Datenschutz in Deutschland - Quo vadis?
Datenschützer tragen schwarz, denn der Datenschutz stirbt in Deutschland aus. Bundesbürger gingen noch nie so offenherzig mit ihren persönlichen Daten um, wie heute. Unterstützt werden sie vom Web 2.0.Hype und seinem Zugpferd, den Social-Networking-Plattformen. Das beliebteste Beispiel ist MySpace. Tausende Bundesbürger geben dort persönliche Information in Form von Fotos oder Erzählungen preis – quasi ein digitales Tagebuch. Aber auch in Kundenkarten oder Versicherungsanträgen lauert der Feind.
Wie es tatsächlich um den Datenschutz in Deutschland steht kann der Ge-schäftsführer der Filges IT-Beratung Holger Filges sagen, denn mit den Tü-cken der Datenschutzproblematik beschäftig er sich tagtäglich. Die Offenherzigkeit bei solchen Plattformen ist für Herrn Filges so zu verstehen, dass sich viele Menschen über die Gefahren, die mit der Preisgabe von privaten, persönlichen oder sogar intimen Daten verbunden sind, gar nicht bewusst sind. „Gerade Kinder und Jugendliche, die ja doch oft ein leichtes Opfer von Betrügereien und anderen kriminellen Handlungen sein können sollten von den Eltern und in der Schule wesentlich besser darüber aufgeklärt werden, was passieren kann, wenn solche Daten in die Öffentlichkeit gelangen“, so Holger Filges.
Eine weitere Problematik sieht der Datenschützer auch in dem Datenhunger des Staates, der unter dem Deckmantel der Terrorismusbekämpfung gestillt wird. Zwar denkt Filges, dass die Verfassungsklage von 30.000 Bürgern beim Bundesverfassungsgericht gegen die am 1. Januar in Kraft getreten Vorratsdatenspeicherung Erfolg haben wird. Dennoch wird der Staat so schnell nicht aufgeben.
Um das Thema Videoüberwachung an öffentlichen Plätzen gibt es heiße Diskussionen. Zwar kann man Erfolge bei der Täterfindung dank Videoaufnahmen vernehmen, doch gebe es bessere Methoden laut Holger Filges. „Eine Verbesserung der personellen und technischen Ausstattung der Polizei wäre beispielsweise eine solche Maßnahme. Videokameras sind nicht das Allheilmittel gegen Terrorismus oder sonstige Straftaten.“
Auch die jährliche Datenschutz-Studie der Londoner Privacy International lässt Trübsal blasen. Waren wir einst noch das datenschutz-freundlichste Land in Europa, rutschte Deutschland nun auf Platz sieben. So landen wir nur knapp vor Rumänien oder Ungarn. Die schlimmsten Überwachungsstaaten sind China, Russland, Großbritannien und die USA. Das Abfallen auf Rang sieben ist für Filges eine traurige Entwicklung: „Dass die Überwachung der Bürger wirtschaftlicher Aspekte hat kann ich mir bei einigen Ländern durchaus vorstellen. Es könnte natürlich immer sein, dass gerade von den USA immer mehr Daten verlangt werden. Einen verweigern dieser Daten könnte natürlich auch wirtschaftliche Folgen für das Land oder einzelner Unternehmen haben.“
In Zukunft wird man den Bürger wohl schrittweise dem Überwachungsstaat näher bringen, denkt Holger Filges. Es sei eine schlimme Entwicklung, der Medien und Bürger auf jeden Fall entgegenwirken sollten. „Dass sich nicht alle Menschen dies gefallen lassen wollen, sieht man zum einen an der großen Verfassungsklage gegen die Vorratsdatenspeicherung, aber auch anderer Institutionen wie dem Chaoscomputer Club oder dem Big Brother Award, welcher jedes Jahr an die größten Datenschutz-Schmutzfinken verteilt wird.“
Dem Bundesbürger rät Filges, umsichtiger im Umgang mit persönlichen Da-ten zu sein und möglichst auf Kundenkarten zu verzichten, mit deren Hilfe es möglich ist, ein genaues Kundenprofil zu erstellen. Man wüsste nie, bei wem diese Daten einmal landen würden. Als Beispiel nennt er die Nutzung einer Kundenkarte einer Apotheke, um freiverkäufliche Medikamente günstiger zu erwerben. Möglicherweise landen diese Daten irgendwann bei einer Versicherung und dem Verbraucher wird plötzlich die Versicherung verweigert, mit dem Hinweis, er habe zu viele freiverkäufliche Medikamente gekauft hat. Daher sei ein Gesundheitsrisiko zu befürchten.

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